Pflegereform? Nicht auf dem Rücken von Frauen!
22.07.26 12:26 Uhr

Der Westfälisch-Lippische LandFrauenverband setzt sich gemeinsam mit dem Rheinischen LandFrauenverband in Nordrhein-Westfalen für eine geschlechtergerechte und zukunftsfähige Pflegereform ein. Mit einem Schreiben an das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen sowie an das Bundesministerium für Gesundheit fordern die beiden Verbände, die geschlechtsspezifischen Auswirkungen der geplanten Reform stärker in den Blick zu nehmen.
Frauen tragen den größten Teil der häuslichen Pflege in Deutschland. Sie reduzieren ihre Erwerbstätigkeit, unterbrechen ihre beruflichen Laufbahnen oder verzichten ganz auf Einkommen und Karrierechancen, um Angehörige zu pflegen. Die Folgen sind häufig finanzielle Einbußen, geringere Rentenansprüche und ein erhöhtes Armutsrisiko im Alter.
Die derzeit diskutierten Reformvorhaben drohen, diese Ungleichheiten weiter zu verstärken. Werden Leistungen eingeschränkt oder die soziale Absicherung pflegender Angehöriger geschwächt, besteht die Gefahr, dass Pflege noch stärker in den privaten Bereich verlagert wird – und damit vor allem zulasten von Frauen geht. Anstatt pflegende Angehörige zu entlasten, droht unbezahlte Sorgearbeit weiter zuzunehmen.
Besonders betroffen sind Frauen im ländlichen Raum. Sie übernehmen Pflegeaufgaben häufig dort, wo ambulante Unterstützungsangebote nicht ausreichend vorhanden sind und Entlastungsmöglichkeiten fehlen. Lange Wege zu Pflegeeinrichtungen, ein Mangel an wohnortnahen Angeboten sowie eingeschränkte Betreuungsstrukturen erschweren die Vereinbarkeit von Pflege, Familie und Beruf zusätzlich. Eine Pflegereform darf diese Herausforderungen nicht verschärfen.
Der Westfälisch-Lippische LandFrauenverband schließt sich deshalb der Forderung des Deutschen LandFrauenverbandes an: Pflegepolitik muss geschlechtergerecht gestaltet werden. Eine zukunftsfähige Pflegereform muss die Lebensrealitäten von Frauen berücksichtigen, häusliche Sorgearbeit angemessen anerkennen und die soziale Absicherung pflegender Angehöriger stärken. Gleichzeitig braucht es eine verlässliche und wohnortnahe Pflegeinfrastruktur, insbesondere im ländlichen Raum.
Unsere Botschaft ist klar: Gute Pflege darf nicht zu mehr unbezahlter Sorgearbeit und einem höheren Armutsrisiko für Frauen führen. Eine gerechte Pflegereform muss entlasten statt zusätzliche Belastungen zu schaffen – für Frauen, Familien und die Gesellschaft insgesamt.