Heute

Der Ortsverband Herzfeld setzt sich aus etwa 119 Frauen zusammen, die in und um Herzfeld auf irgendeine Weise einen Bezug zur Landwirtschaft haben. Sie beteiligen sich aktiv an der Gestaltung ihres Lebensraumes und präsentieren die Landwirtschaft in der Öffentlichkeit wie z.B. durch einen Informationsstand auf der Gewerbeschau Lippetal.

Aktionen wie die Mitgestaltung des Erntedankfestes sind zudem fester Bestandteil des jährlichen Programmheftes. Aber ebenso stehen auch gemeinsame Ausflüge, kreative Angebote und Vorträge an. Ziel ist es, den Mitgliedern eine vielfältige Möglichkeit zur Freizeitgestaltung und Gemeinschaft zu geben.

 


Früher

Der Landfrauenverein Herzfeld

Sein Werden und Wirken 

 

Durch Jahrhunderte kaum beachtet, setzte die Bäuerin ihre ganze Kraft für die Familie und den bäuerlichen Betrieb ein. Neben der meist großen Kinderschar betreute sie die ländliche Hauswirtschaft mit den Arbeitskräften auf dem Hofe. Häufig – vor allem in den kleineren, jedoch auch meist in den gröeren Familienbetrieben – zählte auch der ein oder andere Betriebszweig zu ihrem Aufgabenbereich; so der Garten, die Geflügelhaltung, oft auch die Kälberaufzucht und die Schweinehaltung. Solange diese Wirtschaftszweige ausschließlich der Deckung des bäuerlichen Eigenbedarfs dienten, war eine öffentliche Förderung der Landfrauenarbeit nicht unbedingt nötig. Das änderte sich um die Jahrhundertwende. Die Bevölkerung wuchs rasch, die Nachfrage nach landwirtschaftlichen Produkten nahm immer mehr zu. So wurden die von der Bäuerin betreuten Betriebszweige stärker in die Marktwirtschaft hineingezogen. Schon bald nach dem 1. Weltkrieg wurde von der Landwirtschaftskammer für die Provinz Westfalen ein Landfrauenausschuss gebildet, um Fragen der ländlichen Hauswirtschaft zu bearbeiten. Um diese Zeit begann man auch im Kreise Beckum, den Gebieten der ländlichen Hauswirtschaft mehr Beachtung zu schenken. Die Landwirtschaftsschule in Stromberg, die seit 1923 auch Haushaltungslehrgänge durchführte, versuchte durch Kurse, Vorträge und Vorführungen auch den Bäuerinnen spezielle Kenntnisse in der Führung eines ländlichen Haushaltes zu vermitteln. Alle Versammlungen wurden noch von der Schule durchgeführt. Um jedoch die Bäuerin selbst für die Förderungsmaßnahmen zu interessieren, regte die Landwirtschaftsschule an, die Landfrauen in einem besonderen Verein zu organisieren. Die landwirtschaftlichen Ortsvereine des Kreises Beckum luden Landfrauen im Dezember 1928 zu einer Versammlung in Beckum ein. Danach wurde im Januar 1929 unter dem Vorsitz von Frau Luise Schulze-Oenkhaus, Beckum, Frau Christine Westhoff-Schotte, Sendenhorst, und Frau Ottilie Langenohl, Leiterin der Mädchenabteilung der Landwirtschaftsschule, eine große Landfrauenversammlung zur Gründung des Kreisvereins Beckum einberufen. Die wichtigsten Ziele des neugegründeten Vereins waren: die Landfrauen fortzubilden auf dem Gebiet der ländlichen Hauswirtschaft, Neuerungen in Wissenschaft und Technik zu vermitteln, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsame Interessen zu vertreten.

Für die einzelnen Orte wurden Landfrauen zur besonderen Mitarbeit bestimmt. Für die Gemeinde Herzfeld übernahmen 1929 die Mitarbeit im Landfrauenverein: Frau Lena Essel und Frau Anna Borgmann. Jedes Jahr fanden Landfrauenversammlungen statt; Lehrgänge wie Einmach-, Back-, Käse- und Wäschekurse wurden durchgeführt. Diese intensive Arbeit der ersten Jahre nahm eine andere Richtung, als im Jahre 1933 alle Vereine "gleichgeschaltet" wurden. An die Stelle der Landfrauenvereinigung trat die "Frau im Reichsnährstand". Die Marschrichtung wurde von oben diktiert. Der Krieg und die Nachkriegszeit machten der Vereinsarbeit ein Ende.

Am 24.6.1948 kam es in Beckum zur Gründungsversammlung des neuen Landfrauenvereins. In Herzfeld übernahm von 1948-1960 Frau Mathilde Hinse-Heimann und Frau Gertrud Rinsche, dann bis 1968 Frau Mathilde Essel die Arbeit des Vorstandes.

In der schwierigen Zeit der Bildung der Großgemeinden – das bedeutete für Herzfeld die Ausgliederung aus dem Kreisverband Beckum und die Eingliederung in den Kreisverband Soest – waren Frau Franziska Heimann Schulte Schachtrup und Frau Christel Schilling, die als Kassiererin Frau Mathilde Essel dazu wählten, im Vorstand tätig. In den darauf folgenden Jahren setzten sich im besonderen Maße für die Belange der Landfrau ein: 1971-1976 Maria Lotte mit Irmgard Buddevoß und Rita Peveling; 1976-1979 Ursula Erlenkötter mit Gisela Beckvogt und Inge Stratbücker; 1979-1982 Martha Brömse mit Maria Quante und Luzia Bövingloh; 1982-1986 Martha Brömse mit Elisabeth Lönne-Helmig, Luzia Bövingloh und Elisabeth Pöpsel-Hunke.

Agnes Ebbinghaus, Elisabeth Lönne-Helmig, Ursula Erlenkötter und Maria Pöpsel-Wibbelt bilden gegenwärtig den Vorstand. Da die Arbeit einen immer gröeren Umfang annahm, wurde der Vorstand um eine Schriftführerin erweitert. Allen Frauen im Vorstand oblag die Sorge, der Landfrau beizustehen, um Schritt halten zu können mit der fortschreitenden Entwicklung in der Landwirtschaft, um die moderne Technik voll zu nutzen und gesammelte Erfahrungen auszuwerten. An die Bäuerin von heute werden große Anforderungen gestellt: In der Familie soll sie die Grundlage für ein Zusammenleben bilden, Erziehungsmaßnahmen und Bildungsziele verwirklichen; die Hauswirtschaft soll sie zum besten des Haushalts, des Betriebes und der Volkswirtschaft führen; im Erwerbsbereich soll sie Haushalt und Betrieb koordinieren und Übersicht über betriebliche Zusammenhänge und Abläufe haben. Diese reichliche Arbeit förderte ein Anwachsen des Vereins. Heute zählen über hundert Landfrauen dazu, nicht nur Bäuerinnen, sondern auch Frauen, die im weiteren Sinne mit der Landwirtschaft zu tun haben. Neben der Aus- und Weiterbildung muss der Landfrau heute auch die Möglichkeit gegeben werden, Kraft zu sammeln – sei es im geselligen Zusammensein oder in Stunden der Muße und Besinnung auf die Werte des Menschseins, sei es in der Förderung von Hobbys, des kreativen Tuns oder in der Hinwendung zu heimatlichem Brauchtum und der heimatlichen Geschichte.

 

 

Quelle: 1200 Jahre Herzfeld/ 786-1986, Eine Chronik der Vergangenheit und Gegenwart in Wort und Bild; S. 79 u. 80